Judith Brandner

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Ich möchte nur schlafen. Neulich waren es 12 Stunden am Stück. Vielleicht sollte man diese Krise einfach verschlafen. Der Schlaf ist nicht erquickend. Eine bleierne Müdigkeit lähmt mich tagsüber. Die Zeit verrinnt. Ständig das Gefühl, etwas versäumt zu haben. Nicht rasch genug auf die letzten Nachrichten reagiert zu haben. Auch die Katzen schlafen jetzt noch mehr als sonst. Sie machen nur kurze Spaziergänge. Alleine. Suchen unsere Nähe. Schlafen in unserem Bett. Kuscheln sich an uns. Normalerweise genieße ich die Stille in meinem Büro daheim, mit dem einzigartigen Blick auf den Garten und den Teich. In diesen Tagen ist sie mir zu laut.

Die Olympischen Spiele in Tokyo sind um ein Jahr verschoben worden. Auf 2021, das Jahr, in dem sich auch die Dreifachkatastrophe mit dem Super-GAU in Fukushima zum zehnten Male jährt. Schon bald, Ende Juni, wartet ein Kamerateam in Hiroshima auf mich. Bis dahin bin ich sicher wieder aufgewacht.

 

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Es ist uns einfach so lang so gut gegangen. Zu gut gegangen. Sagt meine Mutter, mit der Betonung auf ZU. Sie lebt in Salzburg, ich in Niederösterreich. Ich rufe sie in diesen Tagen öfter an als vorher. Nicht mehr nur am Samstag. Ihr Leben hat sich wenig verändert. Die Heimhelfer*innen tragen jetzt Schutzkleidung. Der Zusteller von „Essen auf Rädern" hält Abstand und nimmt kein Bargeld mehr. Der Fußpflegetermin ist abgesagt worden. Mutter klingt jetzt fröhlicher als vorher. So viele Nachbar*innen haben ihr ihre Hilfe angeboten! Der Bundespräsident hat so schön und respektvoll von den alten Menschen gesprochen! Auch der Bundeskanzler mache sich sehr gut, findet sie. Mit meinen Schwestern tausche ich Blumenbilder via WhatsApp aus. Ich beginne den Tag mit einem Foto von der eben aufgeblühten rosa-weißen Kamelie im Garten. Die Jüngere, im hunderte Kilometer entfernten Home-Office in Deutschland, möchte gerne bald telefonieren. Sie fühle sich ein wenig isoliert. Sie darf nicht mehr nach Österreich einreisen.

Japan ersucht alle Reisenden aus Europa, Ägypten und dem Iran, sich 14 Tage unter Selbst-Quarantäne zu stellen. Die ersten findigen Hotelbesitzer bieten günstige Zimmer an. Wer will jetzt ausgerechnet nach Japan?! Mein Ticket nach Tokyo für Juni habe ich vorsorglich schon lange davor gebucht. Weil doch zu erwarten war, dass die Preise rund um die Olympischen Spiele in die Höhe schnellen würden. Auch mein Lieblingshotel in Tokyo ist vorreserviert. Und nun gibt es diesen neuen, unsichtbaren Feind, der sich ausbreitet. Ich denke an Fukushima. An die Menschen, die sich an das Leben mit einer unsichtbaren Gefahr gewöhnt haben. Oder davor geflüchtet sind. Vor Corona kann jetzt keiner mehr flüchten. Geschlossene Geschäfte, leere Plätze. Menschen mit Masken. Die Aufforderung, daheim zu bleiben und Kontakte zu meiden. Im dekontaminierten Fukushima immer noch Hot-Spots, nach neun Jahren. Da ein Atomkraftwerk, das in die Luft geflogen ist und winzige radioaktive Partikel ausgestreut hat. Dort ein Virus, das sich in feinen Aerosolen über uns breitet und in uns eindringt. Man sieht es nicht, man hört es nicht, man riecht es nicht. Die Radioaktivität ist nicht übertragbar. Man-made disaster, in beiden Fällen. Wildtiere am Speiseplan in der chinesischen Provinz, Ballermann und Komasaufen in den Tiroler Bergen. Keine Naturkatastrophen. Ich esse keine Tiere. Die, die mit uns leben, sind mir jetzt wichtiger denn je.

Die gute Nachricht kommt am späten Nachmittag. Endlich ruft E. an. Er und seine Frau R. haben seit vier Jahren auf einen Asylbescheid gewartet. Jetzt ist er da. Positiv. Eine Sorge fällt weg. Bald wird R. ihr zweites Kind bekommen. E. und R. haben die letzten Monate fast durchgehend im St. Anna Kinderspital verbracht. Ihr dreijähriger Sohn wartet auf eine Knochenmarktransplantation. Er hat Leukämie.

Schriftsteller-Freund*innen schicken mir Texte und Links zu ihren YouTube-Auftritten. Die älteste von ihnen, Jahrgang 1923, telefoniert lieber. Sie fühle sich an das Frühjahr 1945 erinnert, kurz nach der Befreiung, an die Unsicherheit über die Frage, wie es weitergehe würde. Der Antrag meiner Mutter auf Erhöhung der Pflegestufe ist abgelehnt worden. Es fehlen vier Stunden Pflegedarf. In einem Jahr darf sie, die heuer 83 geworden ist, einen neuerlichen Antrag stellen. Sie nimmt es mit erstaunlicher Gelassenheit.

 

Reisebloggerin

Die Reisebloggerin hat über Japan geschrieben: 

https://www.reisebloggerin.at/2020/01/japan-mein-lieblingsland/

 

Preisrede anlässlich der Verleihung des Verkauf Verlon Preises für anti-faschistische Publizistik

DÖW, 01.03.2013

Preisrede.pdf

 

Bildung für Waisenkinder in Yamada, Japan

Der engagierte Arzt Sen Hiraizumi und der Priester des Ryusho Tempels in Yamada haben nach 3.11 eine Stiftung ins Leben gerufen, die Waisenkinder beim Besuch von Schule und Universität unterstützt. Nähere Infos gibt es in meinem neuen Buch, bzw. auch in dem Artikel, den ich fürs Spectrum geschrieben habe. Bitte hier anklicken: 

Bildungstiftung für Waisenkinder in Yamada, Japan

Information (Japanese): www.ryushotemple.sakura.ne.jp/

Donations:

Educational Fund for Tsunami orphans in memory of Mr. Zenkou Suzuki (Suzuki Zenkou Kinen-Kyouiku-Kikin)

Account Nr. 2043338

Iwate Bank (0123), Sendai Branch (062), Japan 

 

 
Aktuelles

     Japan im Olympiajahr 2020...

Judith Brandner: Japan. Inselreich in Bewegung Residenz Verlag 2019

REZENSION

  

     ...Coming soon...

Zu Gast in der Ö1-Sendung „Im Gespräch":

26.3., 21 Uhr

Da capo: Im Gespräch - FR | 27 03 2020 | 16:05

 

 

 

 

 

Buchpräsentationen/Lesungen:

06.06.20, Museum der Moderne Salzburg im Rupertinum, 15 Uhr

24.06.20, OAG Tokyo, 18 Uhr

 

3. bis 14.11., Japan zur Zeit der Laubverfärbung. Begleitung einer RUEFA Reise nach Zentraljapan.

Info

 

         ...Nachzuhören, nachzusehen,        nachzulesen...

Wie Elefanten kommunizieren

www.3sat.de/wissen/nano

 

 Übertrieben verhätschelt? Ethik in der Tiermedizin.  

www.3sat.de/wissen/nano

 

150 Jahre Österreichisch-Japanische Beziehungen

Gestaltung einer Website im Rahmen einer Lehrveranstaltung am Inst. f. Ostasienwissenschaften der Universität Wien im WS 18/19

 

 Endlager Müllsack? 8 Jahre nach Fukushima.

Spectrum, die Presse. 09.03.2019 

 

 

 

 

  

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